Pollmann International

Gemeinsam gewachsen

Pollmann International baut ein neues Werk im niederösterreichischen Vitis. Dass Jungheinrich für die Vollautomatisierung sorgt, ist nicht zuletzt das Ergebnis einer jahrzehntelangen Partnerschaft.

Noch ist es eine große Baustelle. Doch bis Ende des Jahres 2019 wird hier ein komplett neues Werk stehen. 65.000 m2 Grund stehen in Vitis im Waldviertel zur Verfügung, gebaut wird ein neues Produktionswerk mit zweigassigem vollautomatischem Hochregallager für die Lagerung von Rohwaren und Fertigteilen. 5.422 Palettenstellplätze entstehen hier, inklusive automatischem Palettenumreifer und automatischem Palettendoppler. Das Lager wird das Herzstück des neuen Werks des Automobilzulieferers Pollmann International, und dass es von Jungheinrich ausgestattet wird, hat einen jahrzehntelangen Vorlauf.

Service als Einstieg

Der wenige Kilometer entfernte Hauptsitz von Pollmann in Karlstein an der Thaya wurde in den vergangenen Jahren immer wieder erweitert. „Seit spätestens zwei Jahren war uns bewusst: Wenn sich der Markt so weiterentwickelt, nähern sich unsere Kapazitäten hier am Standort dem Ende“, erzählt Manfred Jäger, der Werksleiter des Werks Vitis. Seit 2010 erlebt Pollmann kontinuierliches Wachstum, mehrmals wurde zugebaut. Rund 2.000 m2, schätzt Jäger, könnten noch verbaut werden – zu wenig angesichts der Prognosen. Der Standort Vitis liegt ideal im Zentrum des Einzugsgebiets vieler Mitarbeiter und mit guten Verbindungen in die Bezirkshauptstädte. Und er ist nicht zuletzt ein Bekenntnis des Unternehmens zur Region. Das Wachstum des Standorts Karlstein hatte auch Auswirkungen auf die logistischen Assets. Bis vor 20 Jahren waren sowohl die Fahrzeugflotte als auch die Lager- und Regaltechnik „bunt gemischt“, erzählt Manfred Jäger. Die Zusammenarbeit mit Jungheinrich begann auf der Serviceebene. Wolfgang Hahold, Gebietsverkaufsleiter bei Jungheinrich: „Die ersten gemeinsamen Gehversuche unternahmen wir bei der Wartung und Instandhaltung von Eigen- und Fremdfahrzeugen. Wir hatten schon damals eine sehr hohe Anzahl an Technikern, und die damit verbundene schnelle Reaktionszeit war natürlich ein Hebel.“ Als sich Pollmann dafür entschied, auf nur einen Anbieter zu reduzieren, war das Ergebnis durchaus offen, sagt Manfred Jäger. Ausschlaggebend war letztlich das Serviceangebot. Die Fahrzeugflotte ist heute homogen, die Regaltechnik bis auf wenige Reste ebenfalls.

Automatisierung rückt in den Fokus

Bei der Konzeption des neuen Standortes traf Jungheinrich auf einen Kunden, der selbst über viel logistische Erfahrung verfügt. „Wir fertigen hier jeden Tag zehn bis zwölf Lkw-Züge ab“, sagt Manfred Jäger. „Wir bringen einiges an Erfahrung mit. Wir wussten ziemlich konkret, was wir wollen.“ Die grundlegende Entscheidung, nicht an jedem Standort ein Lager zu führen, sondern eine zentrale Versorgung zu ermöglichen, fiel schnell. Die Frage des Automatisierungsgrades wurde erst später geklärt – als jedoch klar war, dass es in Richtung Vollautomatisierung ging, wurde die konzeptionelle Zusammenarbeit entscheidend. Seit rund 25 Jahren beschäftigt sich Jungheinrich intensiv mit Systemtechnik. Und ging dabei den klassischen Weg von manuellen über halbautomatische zu vollautomatischen Fahrzeugen. Hauptsitz der Jungheinrich Systemtechnik ist das deutsche Moosburg, bei Projekten wie jenem mit Pollmann werden die Spezialisten aus Oberbayern hinzugezogen. „Natürlich sind wir im Kern immer noch Staplerhersteller“, sagt Wolfgang Hahold, „aber auch bei uns rückt das Thema Automatisierung immer mehr in den Fokus.“

Der Traum vom Standard

Das neue Hochregallager in Vitis wird vollautomatisiert sein. Und die systemische Seite, betont Manfred Jäger, ist die eigentliche Herausforderung: „Schnittstellen in bestehende Systeme einzubinden, Prozesse zu definieren – das sind die Herausforderungen, die uns wahrscheinlich bis zum Go-Life-Termin beschäftigen werden.“ Und sie gehen über das reine Hochregallager hinaus. Angedacht sind Staplerleitsysteme: Der Mitarbeiter an der Produktionsmaschine kann auf Knopfdruck die Fertigstellung einer Palette vom ERP ins WMS des Hochregallagers einsteuern, von dort wird die Information an das Staplerleitsystem weitergeleitet, und der Staplerfahrer bekommt den Auftrag auf sein Display und holt die Palette. Eine besondere Herausforderung ist dabei die Produktvielfalt, die Standardisierung der Prozesse nur bis zu einem gewissen Grad zulässt. Die Prozesse werden primär bei Pollmann aufgesetzt, aber die Abstimmung mit Jungheinrich erfolgt permanent. Was angesichts der Profis auf beiden Seiten zwar nicht zu Konflikten führt, aber dennoch immer wieder zur Frage: „Wer muss sich an welchem Punkt wie weit verbiegen? Wir alle träumen ja vom Standard, aber im Alltag ist man immer wieder ein Stück davon entfernt“, sagt Manfred Jäger.

Erweiterungen jederzeit möglich

In Vitis werden in Summe rund 10.000 m2 verbaut, davon 3.800 m2 für eine Produktionshalle, 2.200 m2 für das Hochregallager, und hinzu kommen Technikräume und die Verladehalle. Das Grundstück ist so angelegt, dass Pollmann jederzeit schrittweise zubauen kann. In der Startphase werden zwei Gassen ausgeführt – zwei Regalbediengeräte mit Doppelregalen –, doch die Gebäudehülle kann drei Regalbediengeräte aufnehmen. Das Hochregallager kann also jederzeit nach hinten erweitert werden. Auch bei den Produktionshallen kann jederzeit eine Seitenwand entfernt und die Fläche um 2.000 bis 3.000 m2 vergrößert werden. Neben Lagertechnik werden auch die Flurförderzeuge von Jungheinrich geliefert. Pollmann hat sich hier für Li-Ionen- Technologie entschieden. Wegen der längeren Laufzeit und, wie Manfred Jäger erklärt, wegen der Möglichkeit, die Batterien jederzeit zwischenladen zu können. „Bei Zwei- beziehungsweise Dreischichtbetrieb ersparen wir uns damit die Wechselbatterien, was auf Sicht deutlich wirtschaftlicher ist.“ macht es mehr Spaß, ein Greenfield-Projekt zu begleiten? Wolfgang Hahold will keine Wertung vornehmen, aber die Tatsache, dass ein neuer Standort ein umfangreicheres Ausschöpfen des Möglichen erlaubt, empfindet er durchaus als freudvoll. Nicht zuletzt, „weil wir bei solchen Projekten eigentlich immer etwas Neues lernen. Und vieles davon können wir auch später einsetzen.“

„Jungheinrich ist mehr als nur ein Staplerhersteller. Wir sind Intralogistiker und auch fix verankert in der Automatisierung.“

„Die ersten gemeinsamen Gehversuche unternahmen wir bei der Wartung und Instandhaltung von Eigen- und Fremdfahrzeugen.“ Wofgang Hahold, Jungheinrich Austria

„Schnittstellen in bestehende Systeme einzubinden, Prozesse zu definieren – das sind die Herausforderungen, die uns wahrscheinlich bis zum Go-Life-Termin beschäftigen werden.“ 

„Wir fertigen hier jeden Tag zehn bis zwölf Lkw-Züge ab. Wir bringen einiges an Erfahrung mit.“ Manfred Jäger, Pollmann International

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