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Jungheinrich-Stapler für Pistenbully-Produktion

Da PistenBully erst beim Kunden vor Ort ihre Ketten aufgezogen bekommen, sorgt ein von Jungheinrich speziell für den PistenBully-Produzenten Kässbohrer umgebauter Stapler dafür, dass die Geräte schnell und sicher zwischen Produktion, Montage und Versand bewegt werden können.

Die Kässbohrer Geländefahrzeug AG ist Anbieter von Technik für Umwelt, Natur und Freizeit. Die Produktpalette des Unternehmens mit Sitz in Laupheim umfasst die PistenBully-Familie für die Pisten und Loipenpflege, die BeachTech-Geräte zur Strandreinigung sowie Sonderfahrzeuge für Arbeits- und Transporteinsätze in unwegsamem Gelände. Mit einem Marktanteil von mehr als 50 Prozent sind die PistenBully in der Pisten- und Loipenpflege sowie bei der Funparkgestaltung weltweit führend. Im Stammsitz in Laupheim, in der Nähe von Ulm, arbeiten etwa 340 Menschen, davon allein knapp 200 in der Fertigung

Besondere Lösung: Alte Stapler zu Schleppern umgebaut

Da die Ketten der PistenBully erst vor Ort beim Kunden aufgezogen werden, sind die Fahrzeuge, wenn sie die Produktion verlassen, zwar fertig, aber noch nicht fahrbereit. Um die Raupen dennoch bewegen zu können, hatten sich die Ingenieure bei Kässbohrer bereits vor Jahren eine besondere Lösung ausgedacht. „Wir haben alte Gabelstapler so umgebaut, dass sie in der Lage waren, die PistenBully zu schleppen“, erzählt Frank Brixius, bei Kässbohrer zuständig für Werksanlagen und Betriebsmittel. Jedoch habe sich bald herausgestellt, dass die Eigenkonstruktion „zu schwach war, um auch die großen Pistenraupen schnell und sicher zu bewegen.“

Dennoch ließ man bei Kässbohrer von der innovativen Idee nicht ab. Über den Jungheinrich-Techniker, der sich zur Wartung der bei Kässbohrer im Einsatz befindlichen Staplerflotte, ständig vor Ort befindet, entstand der Kontakt zum Jungheinrich-Sonderbauwerk in Lüneburg. Die Aufgabenstellung: Ein Gerät zu konstruieren, das in der Lage ist, die bis zu acht Tonnen schweren PistenBully schnell und sicher zwischen Produktion, Montage und Versand zu schleppen. 

„Bald war klar“, erzählt Stefan Hirt, Produktmanager Sonderfahrzeuge bei Jungheinrich, „dass dies eine Super-Spezialanwendung ist, und nicht per Telefon geklärt werden kann.“ Ein Vor-Ort-Termin war von Nöten, wobei folgende Fragen im Mittelpunkt standen: Wie ist die Logistik? Wie viel Platz steht zur Verfügung? Welche Gewichte und welche Lasten können überhaupt realisiert werden?

Basisfahrzeug: Jungheinrich-Schubmaststapler der Baureihe 3

Vor Ort in Laupheim wurden die notwendigen technischen Daten aufgenommen. Thomas Wulf, Leiter Projektierung im Jungheinrich-Sonderbauwerk: „Wir mussten überlegen, wie die Pistenraupen gefasst werden können, wie das Lastteil ausgelegt werden muss und welches Basisfahrzeug überhaupt für einen solchen Einsatzfall geeignet ist.“ Die Antwort auf letztere Frage wurde von den Kässbohrer-Mitarbeitern übernommen. „Da die alten, von uns selbst umgebauten Geräte auf Jungheinrich-Schubmaststaplern basierten“, so Brixius, „haben unsere Mitarbeiter darauf bestanden, dass das neue, von Jungheinrich konzipierte Fahrzeug, wieder ein Schubmaststapler als Basis hat.“ Die Berechnungen von Jungheinrich haben schließlich bestätigt, dass als Basisfahrzeug ein Schubmaststapler der Baureihe 3 die richtige Entscheidung war. 

Bei dem vereinbarten Sonderbaugerät mit der Bezeichnung ETA 380 handelt es sich vom Antriebsteil her gesehen um einen Schubmaststapler der 3er-Baureihe. Das Lastteil des Gerätes besitzt aber keine Gabel. „Gemeinsam mit unseren Kollegen in Lüneburg haben wir eine Lösung erarbeitet“, so Stefan Sommer, Fachberater im Jungheinrich-Vertriebszentrum München und zuständig für das Verkaufsgebiet Oberschwaben, in dem auch Laupheim liegt, „die es erlaubt, die PistenBully sicher und schnell in der gesamten Produktion zu verfahren.“ 

Hierfür besitzt der ETA 380 ein spezielles Lastaufnahmemittel. „Mit diesem fährt der Fahrer das Gerät unter den PistenBully“, erläutert Frank Brixius. Ein spezieller Dorn an der Spitze des Lastteils rastet in einem entsprechenden Gegenstück an der Raupe ein. Anschließend kann der Fahrer, mit dem PistenBully im Rücken, sofort losfahren.  

Nachdem das Unternehmen den Auftrag für den ETA 380 erteilte, wurde der Bau des Gerätes in den Sonderbauprozess im Jungheinrich-Werk in Lüneburg eingetaktet. Es wurde ein Auftrag an die Abteilung „Sonderbaukonstruktion“ erteilt. „Unsere Spezialisten haben“, erläutert Stefan Hirt, „dann das Gerät nach den Vorgaben der Projektierung konstruiert.“ Nach den Vorgaben der Konstruktion – und somit nach den Anforderungen von Kässbohrer – wurde das Lastteil im Anschluss von einem externen Lieferanten gebaut. Nach nur 18 Wochen Zeit von der Entwicklung bis zur Auslieferung sorgt nun der ETA 380 dafür, dass die PistenBully von Kässbohrer schnell und sicher zwischen Produktion, Montage und Versand transportiert werden können.

Sonderbau: Immer ein wenig Erfindergeist mit dabei

Im Vergleich zu einer Produktion in Serie sei ein Sonderbau stets eine neue Herausforderung, erzählt Stefan Hirt. Während eine Serienentwicklung mehrere Jahre Entwicklungszeit, gefolgt von Prototyp und Null-Serie, nach sich ziehe, „haben wir beim Sonderbau immer nur einen Schuss!“ Hier erfolgt Entwicklung, Prototyp und Nullserie stets in Einem. Und mit eine bisschen Stolz für der Produktmanager hinzu: „Beim Sonderbau ist auch immer ein wenig Erfindergeist dabei.“

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